recherchiert von der Lotsenbrüderschaft NOK  I


Juristen prüfen Ausschreibung
Schleusenneubau: Lotsen-Ältermann befürchtet weitere Verzögerung

Schleuse Brunsbüttel
Die Schleusenanlage in Brunsbüttel:
Für 300 Millionen Euro soll hier eine fünfte Kammer gebaut werden,
die als Bypass dient, wenn die alten Schleusen von Grund auf saniert werden.

Von Michaela Reh
Brunsbüttel — Die umfangreiche Ausschreibung für den 300 Millionen Euro teuren Schleusneubau ist zwar vorreitet, muss aber noch einmal gründlich von Juristen unter die Lupe genommen werden. Und das dauert seine Zeit. Ursprünglich war geplant, sie bis zum Ende des vergangenen Jahres zu veröffentlichen.
„Das hatte zumindest Bundesverkehrsminister Ramsauer versprochen, als er zum symbolischen Spatenstich im April extra nach Brunsbüttel gereist war", sagt Michael Hartmann, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK I, im Gespräch mit unserer Zeitung. Er ist sauer, dass sich seitdem nicht viel getan habe: „Der Bau der fünften Schleusenkammer ist längst überfällig. Auf' was wartetet man bei den verantwortlichen Behörden denn jetzt. noch?' Der Bau ist beschlossene Sache, das Geld bereitgestellt. Jede weitere Verzögerung gefährde nach Ansicht von Hartmann nicht nur die Zukunft des Nord-Ostsee-Kanals (NOK), sondern sogar die des gesamten Schifffahrtsstandortes Deutschland. Wären die Treibstoffkosten momentan nicht so hoch, würden schon jetzt viele Schiffe den Weg über Skagen wählen." Und in letzter Konsequenz vielleicht gar nicht mehrden Hamburger Hafen ansteuern, sondern gleich in Rotterdam oder Antwerpen anlegen.
Die Wartezeiten für große Pötte, die denNord-Ostsee-Kanal passieren wollen, seien in den vergangenen Monaten drastisch in die Höhe geklettert. „Im Dezember lagen die Schiffe nicht selten fünf bis acht Stunden vor den Schleusen, weil meistens eine große Kammer wegen Sanierungsarbeiten gesperrt war", moniert Hartmann. Auch seit Montagabend ist die große Südschleuse wieder einmal dicht, zumindest tagsüber. Grund sind die geplanten, umfangreichen Sanierungsmaßnahmen, die nur über die Feiertage gestoppt worden waren. Die Arbeiten werden nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Brunsbüttel bis voraussichtlich 25. Januar dauern. Dringend erforderliche Montagearbeiten stehen auf dem Zettel, außerdem müssen Taucher eingesetzt werden. Die Schleusenkammer darf deshalb sowohl in dieser als auch in der kommenden Woche tagsüber nicht passiert werden. Außerhalb der Tagesarbeitszeit und an den Wochenenden kann die Schleuse zumindest zu zwei Dritteln genutzt werden. In der vorletzten Januarwoche ist die Kammer dann voraussichtlich komplett gesperrt, auch nachts und am Wochenende.
Hartmann befürchtet, dass sich die durchschnittlichen Wartezeiten für die Schiffe in diesem Monat noch weiter verlängern werden, denn die Schifffahrt brummt: „Über die Weihnachtsfeiertage waren nicht so viele Containerriesen unterwegs, aber jetzt zieht der Verkehr wieder deutlich an. Ich habe etliche Schiffs-Anmeldungen für die kommenden Tage gesehen."
Für die zeitliche Verzögerung, was die Ausschreibung angeht, sei keinesfalls Personalmangel verantwortlich, betonte Claudia Thoma, Sprecherin der Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) Nord, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Es muss vielmehr alles hieb und stich fest sein, deshalb die um fangreiche juristische Prüfung", so Thoma. Immerhin ist es eine europaweite Ausschreibung mit 3000 Leistungspositionen und einer mehr als 800 Seiten starken Baubeschreibung sowie 300 Bauzeichnungen und -plänen. Natürlich setze man alles daran, so schnell wie möglich fertig zu werden. Einen Zeitpunkt., wann die Ausschreibung veröffentlicht wird, konnte Thoma gestern nicht nennen

Brunsbütteler Zeitung 09.01.2013


Weitere interessante Informationen zum Neubau
der 5. Schleusenkammer finden Sie auf den Seiten
der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes:
Auf diesen Seiten befindet sich eine Simulationsstudie "Neubau 5. Schleuse Brunsbüttel
[Link]
Nadelöhr Nord-Ostsee-Kanal

Frachterstau am NOK: Der Ausbau zieht sich, die Uralt-Schleusen
von Brunsbüttel sind am Ende. Experten fordern eine neue Schleuse
doch es reicht wohl nur für eine Sanierung.

Text Wolfgang Schmidt

Als die „neuen" Schleusen von Brunsbüttel tatsächlich neu waren, herrschte in Deutschland Kaiser Wilhelm II. 1914 fertiggestellt, verschaffen sie bis heute Schiffen aus aller Welt die Zufahrt zum Nord-Ostsee-Kanal – wenn sie nicht mal wieder aus Altersschwäche passen müssen. Stundenlang warten dann Frachter und verlieren wertvolle Zeit, die sie mit der Kanalpassage eigentlich einsparen wollten.

„Die Schleuse ist kurz vor dem Zusammenbruch; wir stehen vor einem GAU", sagt der Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK II, Stefan Borowski. „Der technische Zustand ist ein Desaster", bestätigt der Vorsitzende des Nautischen Vereins Kiel, Jürgen Rohweder. „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern Viertel nach." Die beiden „alten", viel zu kleinen Schleusen, die auch noch in Betrieb sind, wurden übrigens 1887 bis 1895 gebaut.

Doch ein Neubau scheint jetzt in weite Ferne zu rücken. Zwar hatte das Bundesverkehrsministerium schon Anfang 2007 entschieden, eine neue Schleuse zu bauen. Stattdessen sollen jetzt erst einmal die beiden bestehenden, maroden Schleusen von Grund auf saniert werden. Es sei wichtig, den Zugang zur meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt zu erhalten, sagte Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle. Pro Schleuse kalkuliert er Kosten von rund 85 Millionen Euro, für den Neubau seien rund 300 Millionen veranschlagt.

Nach Einschätzung von Experten droht dem Kanal aber ohne eine fünfte

Schleusenkammer ein „Infarkt". Deshalb sollte der Neubau ursprünglich als Erstes entstehen, damit während der Sanierungsarbeiten an den beiden alten Schleusen genügend Kapazitäten für die Schiffe vorhanden sind.

Ausbau verzögert sich

Ohnehin steht der schon lange geplante Ausbau des Kanals, der ihn für die immer größer werdenden Schiffe besser passierbar machen soll, angesichts knapper Bundesmittel vor Finanzierungsproblemen. Nach den ursprünglichen Plänen hätten 2010 die ersten Bagger rollen sollen, 2014 sollte der Ausbau abgeschlossen sein. Alles in allem soll das Vorhaben 1,25 Milliarden Euro kosten, rechnet Scheurle vor. Darunter sind unter anderem der Neubau in Brunsbüttel, die Instandsetzung der Schleusen, die Verbreiterung einer Teilstrecke, die Vertiefung des 98,6 Kilometer langen Kanals und – nicht ganz so dringend – eine neue Schleuse auch in Kiel.

Allerdings steht der Kanalausbau in Konkurrenz zu einer Reihe anderer

Projekte wie der Elbvertiefung, die nach Schätzung des Staatssekretärs 300 Millionen Euro kosten dürfte. Erst nach den Haushaltsberatungen Ende November wisse man, wie viel Geld für Investitionen in Wasserstraßen bundesweit tatsächlich zur Verfügung stünden. In der Vorlage des Ministeriums waren es knapp 880 Millionen. Wann aber was gebaut wird, ist offen. Immerhin, so Scheurle, „steht der NordOstsee-Kanal in der obersten Kategorie."

Tatsächlich ist die Bedeutung der Wasserstraße für den boomenden Schiffsverkehr groß (s. Kasten rechts). Die Reedereien müssen für die Nutzung Gebühren zahlen, verkürzen aber den Weg zwischen Hamburg und St. Petersburg gegenüber der Route durch Skagerrak und Kattegat um 250 Seemeilen. Das spart Zeit und umweltschädigenden Treibstoff - vorausgesetzt, die Schleusen machen mit. „Die Wartezeiten haben sich 2010 verdoppelt", sagt Lotse Borowski.

Peter Messer von der Kanalagentur UCA berichtet von einer Reederei, deren Liegezeiten in Brunsbüttel allein von Mai bis Juli mit 100.000 Euro zu Buche schlugen. Im Mai kamen 256 Stunden zusammen. Die Tide und aus der Elbe eingespülter Sand hätten der Anlage so zugesetzt, dass sich die Schienen, auf denen die Schleusentore laufen sollen, faktisch aufgelöst haben, so Borowski. Eine Notkonstruktion mit einem Schlitten wurde gebaut. „Aber das schmirgelt und schleift", berichtet Borowski. „Der Kanal braucht einen Bypass, damit er keinen Infarkt erleidet."

Gefährliche Alternativen

Doch den wird es vorerst nicht geben. Dabei steht die Planung: Bäume wurden gefällt, Häuser abgerissen, das Gelände ist baureif. Der Düker - ein Versorgungstunnel unter den alten Schleusen - ist auch fertig. „Man könnte sofort loslegen", sagt Rohweder. Der Bau würde drei, vier Jahre dauern.

Am Kiel Canal, wie er international heißt, hängen mehrere Tausend Jobs - darunter die von 320 Lotsen und 150 Kanalsteuerern, die während einer Passage das Ruder bedienen. Doch die Bedeutung reicht weiter: Ein Drittel des Hamburger Hafenumschlags für den baltischen Raum geht über die „nasse Autobahn". Reedereien verteilen die Ladung großer Containerfrachter in Hamburg auf kleinere Feederschiffe, die sie via Kanal gen Osten bringen. Auf der Straße müssten 700 Laster fahren, um ein einziges Feederschiff zu ersetzen -mit entsprechenden Folgen für die Umwelt.

Wegen der Probleme in Brunsbüttel könnten Reedereien aber auf die Idee kommen, ihre großen Schiffe gleich um Skagen herum in die Ostsee nach Danzig oder St. Petersburg zu beordern. „Das würde den Hamburger Hafen erheblich schwächen", sagt Rohweder.

Dabei stehen die Zeichen im Seeverkehr weiter auf Expansion: Das Bundesverkehrsministerium erwartet, dass der Umschlag in den deutschen Seehäfen von 276 Millionen Tonnen im Jahr 2010 bis auf 759 Millionen 2025 steigt. Ob eine Minimallösung da das richtige Signal ist?

NOK: Volumen steigt im ersten Halbjahr deutlich
Der positive Trend auf dem NOK hat sich im ersten Halbjahr 2011 fortgesetzt.

Der Gesamtverkehr stieg von Januar bis Juni um 5,8 Prozent auf 16.501 Schiffe. Weil deutlich größere Schiffe den Kanal durchfuhren, wuchs die Ladungsmenge sogar um rund 18,5 Prozent auf 48 Millionen Tonnen. Jörg Heinrich, Leiter des Dezernats Schifffahrt bei der Wasser- undSchifffahrtsdirektion Nord, sagt: .Setzt sich die Entwicklung so fort, könnten wir die 100-Millionen-Tonnen-Schwelle erreichen." Damit läge man nur knapp unter dem Rekord von 2008 - und wieder auf Vorkrisenniveau. Der Teitstreckenverkehr zu den Häfen am Kanal spielt eine Nebenrolle, die Hauptverkehrsmenge entfällt auf den Transit.

Deutsche Seeschifffahrt 09/2011

Die Lotsenbrüderschaft

 NORD-OSTSEE-KANAL I



stellt die Info-Briefe der WSA Brunsbüttel in das Internet

Ersatzbau Mitteldüker –
Rohr- und Kabeltunnelanlage
Schiffsschleusen Brunsbüttel


Infobrief Nr 1
Infobrief Nr 2
Infobrief Nr 3
Infobrief Nr 4
Infobrief Nr 5
Infobrief Nr 6



Schulfregatte "CHARLOTTE"
am Süd-Kai von Brunsbüttel

Historisch - 111 Jahre Nord - Ostsee - Kanal -
von G.Peters






Simulator der Lotsenbrüderschaft NOK I


PC REMBRANDT Seit Herbst des Jahres 2008 verfügt die Lotsenbrüderschaft NOK I über einen eigenen Schiffssimulator, an dem seit der Inbetriebnahme unter stetig zunehmender Auslastung im Rahmen der Aus- und Weiterbildung sowie im Qualitätsmanagement gearbeitet wird


Die Installation des neuen Simulators in den Räumen der Geschäftsstelle der Lotsenbrüderschaft NOK I in Brunsbüttel wurde im Dezember 2008 mit der Lieferung der Fahrkonsolen abgeschlossen. PC Rembrandt (PCR) steht für REal time Manoeuvring, BeRthing AND Training und ist ein Produkt der BMT SeaTech Limited, einem Zweig der BMT Ltd, Southampton, die sich 1984 aus dem National Maritime Institute (NMI) und der British Ship Research Association (BSRA) gründete. Basierend auf umfangreichen Erfahrungen der BMT-Gruppe u.a. auf dem Gebiet der Naval Architecture, Maritimer Software, On-Board Monitoring, Schiffsdaten-Analysis, Versuchen mit Schiffsmodellen und bei Werftprobefahrten haben sich die Experten des Unternehmens auch mit mathematischen Modellen und Simulationsprogrammen beschäftigt. Am Ende dieser Entwicklung steht der PC Rembrandt, erstmalig vorgestellt 1986 und seit 2004 in Version 4.0 auf dem Markt erhältlich. Seitdem werden die Simulationseigenschaften ständig verbessert und das System auf dem neuesten Stand der Hardware-Technik gehalten.

Der PCR ist, wie sein Name schon vorgibt, ein EchtzeitSimulator für Schiffshandling- und Manöversituationen, der den Anforderungen der STCW'95 entspricht. Die Hardware besteht aus einem High-End Windows-PC mit doppelter Grafik-Power, einem 180 ° -Sichtsystem mit fünf 42"-LCD-Monitoren, zwei Manöver-Konsolen (Azipod/ Schottel/Joystick + konventionelle Antriebe), die nach Vorgaben der Lotsenbrüderschaft unter Verwendung von Original-Kontroll-Instrumenten angefertigt wurden und einem Operator-Arbeitsplatz.

Das System wurde erweitert um:

  • einen angekoppelten Radar-Simulator,
  • eine Integrationsmöglichkeit von AIS-gestützten Fremdschiffen in Echtzeit,
  • ein Sichterweiterungsmodul,
  • ein Alarm- und Störungspanel
  • sowie einen Sound-Generator für Umwelt-, Maschinen- und Alarm-Geräusche.

Schon an diesen Aufgaben ist erkennbar, wie eng die Zusammenarbeit der Lotsenbrüderschaft mit den Entwicklern von BMT ist und wie flexibel und professionell BMT auf Gestaltungs- und Erweiterungswünsche eingeht.

PCR greift bei der Visualisierung der Umwelt auf Standard Electronic Charts (S-57 ENC und ARCS) zurück und somit ist jedes See-, Fluss- oder Hafengebiet der Welt mit kompletter Betonnung und Befeuerung bei Tag, Dämmerung, Nacht und verminderter Sicht sofort darstellbar. Dabei werden zunächst 3D-Objekte aus einer Standard-Datenbank verwendet, die später durch den Nutzer editiert bzw. auch komplett neu erstellt werden können. Somit entfallen Folgekosten für die Entwicklung solcher Daten-Basen.

Die Schiffsdatenbank besteht zur Zeit aus 20 Modellen, die bereits ein Großteil der möglichen Antriebskonzepte einschließlich Azipod-, Schottel- und Joystick-Systemen abdecken. Weitere 20 Modelle sind Mitte März 2009 geliefert worden. Auch hier hat BMT die individuellen Erfordernisse mit der Lotsenbrüderschaft abgestimmt. Neue Schiffsmodelle können bei Bedarf in Auftrag gegeben werden. Die Erfahrungen der Lotsen im Umgang mit den vorhandenen Schiffsmodellen werden von BMT ständig abgefragt, um bestimmte Manöverkennwerte gegebenenfalls justieren zu können.

PC Rembrandt ist also ein Stand-Alone-System mit einer vorab installierten Software, welches alle Bereiche der Schiffshandling- und Manöver-Simulation abdeckt. Dazu gehören neben den möglichen Standard-, An- und Ablege-, Leinen-, Anker- und Schlepper-Manövern auch die bei Lotsungen im Nord-Ostsee-Kanal ständig begleitenden Flachwasser- und Böschungseffekte sowie Schiff/Schiff-Interaktionen. Durch den Operator können jederzeit Wind-, Wellen-, Strömungs- und Tiden-Effekte stufenlos und den örtlichen Erfordernissen entsprechend eingegeben und editiert werden. Natürlich besteht die Möglichkeit, die durchgeführten Simulationen zu dokumentieren und wiederzugeben. Auch ein Weiterführen einer im ReplayModus befindlichen Simulation ab einem gewünschten Zeitpunkt ist jederzeit möglich.

Nutzung

Von diesen Möglichkeiten ausgehend, wird der PC Rembrandt in der Lotsenbrüderschaft NOK I sehr vielschichtig genutzt. Die in der Grundausbildung befindlichen Trainees werden über den PCR in den Grundlagen des Schiffshandlings geschult. Hier geht es um Vermittlung von Basis-Wissen, beginnend bei der Bedienung der unterschiedlichen Kontroll-Elemente, über das Kennenlernen von grundsätzlichen Manövriereigenschaften von Schiffen verschiedener Bauart und Größe mit den unterschiedlichen Antriebskonzepten (z.B. Einschrauben-und Zweischraubenschiffe mit Verstell- oder Festpropellem, Normal- oder Highlift-Ruder , Bug- und Heckstrahlruder etc.) bis zur Planung und Durchführung unterschiedlichster Manöver in freiem und begrenztem Seegebiet.

Die Seelotsenanwärter der Lotsenbrüderschaft werden mittels des PCR insbesondere an die schwierigen Manöver des Reviers herangeführt, angefangen vom Einschleusen von der Elbe her, über Fahren im engen Kanal-Profil und im Konvoi, Beherrschen von kritischen Begegnungssituation, Positionshalten von Schiffen in Weichengebieten bei Starkwinden, Reaktionen auf Squat- und Böschungseffekte, Manöver mit Schlepperhilfe, Fahren bei Nebel bis hin zum Notfallmanagement (Ausfall Maschinen und/oder Ruderanlage) u.v.m.. Die bestallten Lotsen erhalten mit dem PCR die Möglichkeit, jederzeit Manöver bei extremen Witterungs-, Tiden- und -Sichtbedingungen zu üben. Dazu gehört natürlich das Training von Notfallsituationen, wie z.B. Brechen von Leinenverbindungen zu Schleppern oder Bargen oder von Festmacher-Leinen, Notankerungen aufgrund des Ausfalls von Manövriereinrichtungen etc.

Sehr groß ist der Bedarf und das Interesse der Kollegen an Übungseinheiten für Fahrzeuge mit Azipod- und Schottel-Antrieb. Hier wird momentan ein entsprechender Weiterbildungskurs entwickelt. Mit Integration des Erweiterungsmoduls eines Radar-Simulators wurde eine Möglichkeit geschaffen, das Fahren eines Schiffes im Revier bei Sichtweiten unter 100 m zu üben. Gleichzeitig kann z.B. die Radar-Beratung für von der Elbe die Schleusen Brunsbüttel anlaufende Schiffe von einem separaten Operator-Bildschirm aus trainiert werden.
Wichtig ist weiterhin die Möglichkeit, im Rahmen des Qualitäts-Managements Unfälle aufzuarbeiten. Z.B. kann die Manöver-Situation nach einer Beinahe-Kollision nachgestellt werden, um Ursachen für diese kritische Annäherung zu erkennen und Lösungs- oder Vermeidungsstrategien zu entwickeln.

Auch in Zukunft werden die Lotsen, Aspiranten und Trainees der Lotsenbrüderschaft NOK I auf den kostenintensiveren Full-Bridge-Simulatoren des MTC Hamburg aus- und weitergebildet, da nur dort Interaktionen zwischen mehreren Simulator-Brücken bzw. Fremdschiffen trainiert werden können.
Aber die Zeit dort kann dann äußerst effektivund ausschließlich für solche hochkomplexen Übungsszenarien in realitätsnahen Umgebungs-Sichtmodellen verwendet werden, da das notwendige Basistraining bereits am PCR stattgefunden hat.

Fotos: OS-Mediaservice Meldorf

Schleusenanlage Brunsbüttel

Brunsbütteler Zeitung 22.10.2009

Mehr Schiffe auf Kanal
Verkehr stabilisiert sich wieder

Brunsbüttel (Ino)
Nach einem Einbruch der Schifffahrt stabi­lisiert sich der Verkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal.

Die Zahl der Schiffe, die den Kanal im dritten Quartal durch­fuhren, lag bei 7.706 und damit um 456 höher als zwischen April und Juni, teilte die Was­ser- und Schifffahrtsdirektion Nord gestern in Kiel mit. Die Bruttoraumzahl kletterte vom Jahres-Tiefststand im Februar (8,9 Millionen BRZ) auf 9,9 Mil­lionen BRZ im September.
Im Januar wurden 5,5 Millio­nen Tonnen durch den NOK transportiert, im September 5,9 Millionen Tonnen. Sowohl die Anzahl der Schiffe (minus 31,8 Prozent) als auch die Brutto­raumzahl (minus 36,9 Prozent)und die Ladungsmenge (minus 38,5 Prozent) liegen allerdings noch deutlich unter den Ver­gleichszahlen des Vorjahres­zeitraums.
Vor allem große Schiffe mit einer Länge von mehr als 210 Metern oder einer Breite von mehr als 28 Metern seien wie­der vermehrt auf dem NOK zu beobachten, sagte Daniela Nis­sen von der Wasser- und Schiff­fahrtsdirektion Nord. „Es han­delt sich hierbei meistens um Bulkcarrier, Tanker, aber auch um Passagier- und RoRo-Schif­fe. Auffällig ist die steigende Zahl der „Langsamläufer"", be­tonte sie. Das sind Schiffe mit einem Tiefgang von mehr als 8,50 Meter, die im Nord-Ostsee-Kanal höchstens 12 Kilometer pro Stunde fahren dürfen.

Der Nord-Ostsee-Kanal
- ab 2009 mit 9,50 m Tiefgang und 280 m Länge?
aus "MARITIME Hotline & auf KURS"
www.gel-verlag.de

von Lutz Woitas


Vorsichtig schiebt sich unser Containerfeeder in die Kanalweiche Groß-Nordsee, ca. 90 Minuten nach dem Einschleusen in den Nord-Ostsee-Kanal. Das Signal steht auf "Rot" für die Verkehrsgruppe 3 und höher. Ein abgeladener Chemikalientanker mit 7,80 Meter Tiefgang, eingeteilt in die Verkehrsgruppe 5 und gefährlicher Ladung nötigt uns zu diesem "Stopper". Es ist sechs Uhr an einem wunderschönen Junimorgen, die dicht belaubten Bäume an den Ufern ragen mit kräftigem Grün in den schon um diese Tageszeit blauen Himmel. Der Lotse schaut einen Moment in die Brückennock und weist auf ein in aller Ruhe am Ufer grasendes Reh hin. "Das haben Sie bestimmt noch nicht gesehen", er hat recht, obwohl in der fast urwaldähnlich anmutenden Atmosphäre zwischen den Weichen Königsförde und Groß-Nordsee eigentlich auch mit "wilden Tieren" zu rechnen sein müsste...



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